Das Grauhörnchen


Eine Bedrohung für die Schweiz?
Über Jahre hinweg war in den Medien immer wieder zu lesen, das amerikanische Grauhörnchen habe sich bereits in der Schweiz angesiedelt oder sei zumindest gesichtet worden. Diese Meldungen erwiesen sich im Nachhinein jedoch als fehlerhaft oder unzureichend recherchiert. Häufig wurden Siebenschläfer oder besonders dunkel gefärbte einheimische Eichhörnchen fälschlicherweise als Grauhörnchen bezeichnet.
Aktuelle Erkenntnisse zeigen, dass eine natürliche Einwanderung des Grauhörnchens in die Schweiz äusserst unwahrscheinlich ist.
In Grossbritannien hat das amerikanische Grauhörnchen das eurasische Eichhörnchen bereits weitgehend verdrängt. In Schottland und Irland dürfte dies nur noch eine Frage der Zeit sein. Grauhörnchen sind grösser und schwerer als das eurasische Eichhörnchen und nutzen dieselben Nahrungsquellen. Zusätzlich tragen sie den sogenannten Parapoxvirus (Hörnchenpocken) in sich. Während sie selbst immun dagegen sind, übertragen sie das Virus auf das eurasische Eichhörnchen, für das die Erkrankung meist tödlich verläuft.
Der Parapoxvirus verursacht blutende und eiternde Hautgeschwüre. Geschwächt durch die Krankheit sind betroffene Tiere nicht mehr in der Lage, ausreichend Nahrung aufzunehmen. Häufig sterben sie an Blutvergiftung oder an den Folgen von Unterernährung.
Eine Einwanderung von Grossbritannien aus ist aufgrund des Ärmelkanals ausgeschlossen. Anders stellt sich die Situation im Süden dar: In Italien existieren mehrere Populationen von Grauhörnchen, eine davon nur rund fünf Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt. Erfreulicherweise konnte dort bislang kein Parapoxvirus nachgewiesen werden. (Einen informativen Beitrag zu diesem Thema hat Andreas Moser von „Netz Natur“ verfasst.)
Ob Grauhörnchen aus dem Tessin weiter ins Mittelland vordringen würden, ist fraglich. Zwischen diesen Regionen liegen mit dem San-Gottardo- und dem San-Bernardino-Pass erhebliche geografische Barrieren.
Ein reales Risiko besteht jedoch durch den Menschen. Auf Märkten in Italien werden vereinzelt junge Eichhörnchen zum Verkauf angeboten. Für Laien ist kaum erkennbar, um welche Art es sich handelt. Da für die Haltung von Hörnchen eine Bewilligung erforderlich ist, sollte in solchen Fällen das Veterinäramt einschreiten und entsprechende Massnahmen ergreifen – etwa eine Kastration der Tiere oder ein generelles Haltungsverbot. Wir raten dringend davon ab, Hörnchenbabys auf Märkten zu erwerben.
Unabhängig davon gilt: Gesunde Eichhörnchen – ob Grauhörnchen oder eurasische Eichhörnchen – gehören nicht in eine Voliere. Es handelt sich um Wildtiere mit einem ausgeprägten Bewegungsdrang. Ihren natürlichen Bedürfnissen kann in Gefangenschaft niemals ausreichend entsprochen werden.
Immer wieder erhalten wir Anrufe von Personen, die glauben, ein Grauhörnchen gesichtet zu haben. Wir gehen solchen Hinweisen selbstverständlich nach und informieren bei Bedarf die zuständige Jagdaufsicht sowie das Forstamt. Bisher handelte es sich jedoch stets um Fehlmeldungen – glücklicherweise.
Eine sachliche Unterscheidung der Arten ist daher besonders wichtig. Auch unsere einheimischen eurasischen Eichhörnchen können eine sehr dunkle Fellfärbung aufweisen. Das eurasische Eichhörnchen kommt in Farbvarianten von Hellrot über Rot und Rotbraun bis Dunkelbraun und Schwarz vor. Diese Unterschiede hängen sowohl vom Genpool als auch vom Lebensraum und vom Nahrungsangebot ab. Je fettreicher die aufgenommenen Samen sind, desto dunkler kann das Fell erscheinen. Zudem weist das eurasische Eichhörnchen im Winter häufig einen grauen Schimmer an den Flanken auf.
In den Medien wird meist vom „roten Eichhörnchen“ als bedrohte Art gesprochen. Dies führt dazu, dass dunkle Tiere vorschnell als fremde Grauhörnchen eingestuft werden. Die Verwechslungsgefahr ist jedoch erheblich. So wurde in unserer Station bereits ein Eichhörnchen abgegeben mit der Bitte, es zu töten – es handle sich um einen „Fremdling“. Tatsächlich war es lediglich ein sehr dunkel gefärbtes einheimisches Tier.
Umso wichtiger ist ein differenzierter und sorgfältiger Umgang mit diesem Thema – zum Schutz unserer einheimischen eurasischen Eichhörnchen.Heimisch oder fremd? Wer klettert wirklich in unseren Bäumen?

Amerikanisches Grauhörnchen
|
Körperlänge
|
23–30 cm |
|
Schwanzlänge
|
19–25 cm |
|
Gewicht
|
400–700 g (bis ca. 800 g) |
|
Fellfarbe Oberseite
|
Grau bis silbergrau |
|
Unterseite
|
Weiss |
|
Ohren
|
Ohne Haarpinsel |
|
Schwanz
|
Buschig, oft mit weissem Rand |
|
Augen
|
Gross, ohne auffällige Zeichnung |
|
Lebensraum
|
Wälder, Parks, sehr anpassungsfähig |
|
Verbreitungsgebiet
|
Nordamerika; eingeschleppt in Europa |
|
Heimisch / Nicht heimisch
|
Nicht heimisch |
|
Schutzstatus
|
Invasive Art, gesetzlich nicht geschützt |
|
Würfe pro Jahr
|
1–2 |
|
Jungtiere pro Wurf
|
2–5 (1–8 möglich) |

Eurasisches Eichhörnchen
|
Körperlänge
|
20–25 cm |
|
Schwanzlänge
|
15–20 cm |
|
Gewicht
|
200–400 g |
|
Fellfarbe Oberseite
|
Sehr variabel: hellrot bis schwarz |
|
Unterseite
|
Weiss |
|
Ohren
|
Mit auffälligen Haarpinseln (v. a. im Winter) |
|
Schwanz
|
Buschig, meist einfarbig |
|
Augen
|
Gross, ohne auffällige Zeichnung |
|
Lebensraum
|
Wälder, Parks, grössere Gärten |
|
Verbreitungsgebiet
|
Europa, nördliches Asien |
|
Heimisch / Nicht heimisch
|
Heimisch |
|
Schutzstatus
|
Gesetzlich geschützt (nicht gefährdet) |
|
Würfe pro Jahr
|
1–2 |
|
Jungtiere pro Wurf
|
3–5 (1–7 möglich) |

Siebenschläfer
|
Körperlänge
|
13–20 cm |
|
Schwanzlänge
|
11–19 cm |
|
Gewicht
|
70–200 g |
|
Fellfarbe Oberseite
|
Grau bis graubraun |
|
Unterseite
|
Weisslich bis hellgrau |
|
Ohren
|
Klein, rund, ohne Haarpinsel |
|
Schwanz
|
Buschig, jedoch kleiner als bei Eichhörnchen |
|
Augen
|
Sehr grosse Augen, dunkle Augenringe |
|
Lebensraum
|
Laub- und Mischwälder, Dachböden, Nistkästen |
|
Verbreitungsgebiet
|
Europa (vor allem Mitteleuropa, Balkan, Alpen) |
|
Heimisch / Nicht heimisch
|
Heimisch |
|
Schutzstatus
|
Gesetzlich streng geschützt; lokal gefährdet |
|
Würfe pro Jahr
|
1 (manchmal kein Wurf) |
|
Jungtiere pro Wurf
|
4–6 (2–11 möglich) |
Bestimmungshilfe: Wer versteckt sich da im Blätterdach?
- Mit auffälligen Haarpinseln (v. a. im Winter) → Eurasisches Eichhörnchen (heimisch, gesetzlich geschützt)
- Ohne Haarpinsel → Grauhörnchen (nicht heimisch, invasive Art) oder Siebenschläfer (heimisch, streng geschützt)
- Rot, rotbraun oder schwarz → Eurasisches Eichhörnchen
- Gleichmässig grau mit weisser Unterseite → Grauhörnchen
- Grau mit dunklen Augenringen → Siebenschläfer
⚠️ Hinweis: Auch Eurasische Eichhörnchen können sehr dunkel oder graustichig sein. Fellfarbe allein ist also nicht ausreichend.
- Sehr gross → Grauhörnchen
- Mittelgross → Eurasisches Eichhörnchen
- Klein, kompakt → Siebenschläfer
- Tagsüber aktiv, springt geschickt von Baum zu Baum → Eurasisches Eichhörnchen
- Vor allem nachts aktiv, klettert an Dachböden oder Baumhöhlen → Siebenschläfer
- Anpassungsfähig, auch in Gärten und Parks → Grauhörnchen
- Nordamerika / eingeschleppt in Europa → Grauhörnchen (nicht heimisch)
- Europa / nördliche Asien → Eurasisches Eichhörnchen (heimisch, gesetzlich geschützt)
- Mitteleuropa, Alpen, Balkan → Siebenschläfer (heimisch, streng geschützt)
- Winterschlaf (Herbst bis Frühling) → Siebenschläfer
- Winter mit Ohrpinseln → Eurasisches Eichhörnchen
- Winter ohne Ohrpinsel, durchgehend grau → Grauhörnchen
Nur wer mehrere Merkmale kombiniert – Grösse, Fellfarbe, Ohrpinsel, Aktivität und Herkunft – kann die Tiere korrekt bestimmen.
So werden heimische Arten geschützt und invasive Arten erkannt, bevor Schaden entsteht.
